Versaute Stiefkinder: Die Demokratie Muß Gelegentlich In Blut Gebadet Werden, LP (Vinyl)
Versaute Stiefkinder: Die Demokratie Muß Gelegentlich In Blut Gebadet Werden, LP (Vinyl)
Versaute Stiefkinder: Die Demokratie Muß Gelegentlich In Blut Gebadet Werden, LP (Vinyl)
€34.90
Net price (not subject to VAT §25a UStG)

Versaute Stiefkinder
Die Demokratie Muß Gelegentlich In Blut Gebadet Werden

  • LP (Vinyl)
  • Germany
red vinyl, gatefold sleeve
  • Bad Taste Records (2)
  • (BTR 002)
  • 16 Tracks
  • no barcode
  • EX / EX-
  • used
  • minor hairline marks on vinyl, stronger shelf wear on sleeve

tracks

A1

Intro

A2

Söldner

A3

Willkommen

A4

Alles Wird Gut

A5

Dreckige Wahrheiten

A6

Der Blanke Hohn

A7

Das Lager

A8

Perverse Spiele

B1

Resoltion

B2

Skinhead

B3

Kopf Oder Zahl

B4

Ohne Heimatliebe

B5

Menschheit

B6

Widerstand

B7

Alte Kameraden

B8

Goldener Reiter

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Human Abfall bestehen seit Herbst 2011 aus Menschen, die an unwirtlichen Orten wie Stuttgart und Berlin leben müssen – den Städten der Verachteten, wo wirklich niemand auch nur mal für eine halbe Stunde tot über dem Nachbarszaun hängen möchte. Trotz oder gerade wegen des unumstößlichen Molochs ihres Lebensraumes sind alle Augen und das Interesse der Öffentlichkeit auf die zurzeit, sagen wir, eigenständigste Punkband des Erdballs gerichtet. Das anziehende Soundgerüst besteht aus einem noisigen Gitarrensound mit knarzigen, dem Wave zugewandten Bassläufen und einem zielsetzend, minimalistisch scheppernden Schlagzeugbeat. Die Musik der Gruppe Human Abfall äußert sich in technikschwerem Rhythmus und ist mehr dystopische Stimmungsmalerei als einfach nur eindringliche Melodie. In den Texten werden Gefühle, Alltagsgegenstände, Zustände widergespiegelt und auf ein eindringliches Minimum reduziert. Keine Betroffenheit - denn über dieses Stadium sind Human Abfall längst schon hinaus. Der Sänger mit verirrt finsterer Miene verpackt den sperrigen Postpunk (nicht unähnlich Grauzone oder Campingsex) in Früh-80er-Deutschpunk (à la Mittagspause und S.Y.P.H.) mit verbraucht doppelbödigen Texten und schafft es trotz wutentbrannten, manisch wiederholten Dada-Parolen stets, dem Hörer eigene Bezüge zu persönlichen Realitäten zu entlocken. Individuen abstoßende, kafkaeske Erzählart verwoben mit den existenzialistischen Wirren des modernen Lebens in der Kampfzone des digitalen Kapitalismus wird wieder und wieder auf das Wesentliche verknappt. Von Stück zu Stück der Schallplatte entsteht der klaustrophobische Eindruck, ein Kurt Schwitters habe seine Schere an den literarischen Werken Jean-Paul Sartres, Simone de Beauvoirs, Albert Camus’ und Gabriel Marcels angesetzt, um die Collage der immer wiederkehrenden Textbausteine mit Hammer und Nagel dem Zeitgeist anzuheften. Eine ganz eigene Erzählart entsteht, weder literarisch noch musikalisch – mehr wie Armdrücken gegen die Wand. Man spürt die Stadt, den Beton, den Dreck. Man spürt den Teil der Gesellschaft über den niemand gerne redet. Vielleicht könnte man verkürzt sagen: Was Dürrenmatt für die Literatur, sind Human Abfall für die Musik.