Maulgruppe: Tiere In Tschernobyl, LP (Vinyl)
Maulgruppe: Tiere In Tschernobyl, LP (Vinyl)
€17.90
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Maulgruppe
Tiere In Tschernobyl
  • LP (Vinyl)
  • Germany
  • Major Label (2)
  • (ML 132)
  • 11 Tracks
  • EAN 4250137273709
  • M / M
  • virgin

tracks

Flora Power

A1

Gezeiten

A2

Tinderbaby

A3

Geschwür

A4

Fäden Ziehen

A5

Jäger

Sauer Rhabarberschorle

B1

Tiere In Tschernobyl

B2

Selbstmitleid Trinken

B3

Das Volk

B4

Geh Zum Arzt Du Affe

B5

13

B6

Wie EIn Kind

Credits

Choir
  • Jörg Pohl
  • Mense Reents
  • Thomas Wenzel
Drums
  • Markus Brengartner
Sounds
  • Markus Brengartner
  • Frank Otto
Guitar
  • Frank Otto
Layout
  • Raoul Doré
Mastered by
  • Flo Siller
Producer
  • Hannes Plattmeier
  • Tobias Levin
Recorded by
  • Hannes Plattmeier
  • Tobias Levin
Vocals
  • Anastasia Mundiol
  • Jens Rachut
Lyrics by

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Human Abfall bestehen seit Herbst 2011 aus Menschen, die an unwirtlichen Orten wie Stuttgart und Berlin leben müssen – den Städten der Verachteten, wo wirklich niemand auch nur mal für eine halbe Stunde tot über dem Nachbarszaun hängen möchte. Trotz oder gerade wegen des unumstößlichen Molochs ihres Lebensraumes sind alle Augen und das Interesse der Öffentlichkeit auf die zurzeit, sagen wir, eigenständigste Punkband des Erdballs gerichtet. Das anziehende Soundgerüst besteht aus einem noisigen Gitarrensound mit knarzigen, dem Wave zugewandten Bassläufen und einem zielsetzend, minimalistisch scheppernden Schlagzeugbeat. Die Musik der Gruppe Human Abfall äußert sich in technikschwerem Rhythmus und ist mehr dystopische Stimmungsmalerei als einfach nur eindringliche Melodie. In den Texten werden Gefühle, Alltagsgegenstände, Zustände widergespiegelt und auf ein eindringliches Minimum reduziert. Keine Betroffenheit - denn über dieses Stadium sind Human Abfall längst schon hinaus. Der Sänger mit verirrt finsterer Miene verpackt den sperrigen Postpunk (nicht unähnlich Grauzone oder Campingsex) in Früh-80er-Deutschpunk (à la Mittagspause und S.Y.P.H.) mit verbraucht doppelbödigen Texten und schafft es trotz wutentbrannten, manisch wiederholten Dada-Parolen stets, dem Hörer eigene Bezüge zu persönlichen Realitäten zu entlocken. Individuen abstoßende, kafkaeske Erzählart verwoben mit den existenzialistischen Wirren des modernen Lebens in der Kampfzone des digitalen Kapitalismus wird wieder und wieder auf das Wesentliche verknappt. Von Stück zu Stück der Schallplatte entsteht der klaustrophobische Eindruck, ein Kurt Schwitters habe seine Schere an den literarischen Werken Jean-Paul Sartres, Simone de Beauvoirs, Albert Camus’ und Gabriel Marcels angesetzt, um die Collage der immer wiederkehrenden Textbausteine mit Hammer und Nagel dem Zeitgeist anzuheften. Eine ganz eigene Erzählart entsteht, weder literarisch noch musikalisch – mehr wie Armdrücken gegen die Wand. Man spürt die Stadt, den Beton, den Dreck. Man spürt den Teil der Gesellschaft über den niemand gerne redet. Vielleicht könnte man verkürzt sagen: Was Dürrenmatt für die Literatur, sind Human Abfall für die Musik.